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Konstruktives Motzen erlaubt

09.05.2012

Neu-Anspach
Der Dialog ist wichtig. Humboldt-Schüler Philipp Epstein hat ein Bürgerportal für Städte und Gemeinden entwickelt. Foto: SaltenbergerMit dem Wutbürger wurde eine Spezies entdeckt, die gegen politische Entscheidungen am Bürger vorbei mobil macht. Das andere Extrem ist der Mecker-Bürger, der mit nichts zufrieden ist und immer etwas an Entscheidungen und Aktivitäten, die aus der politischen Ecke oder aus Amtsstuben kommen, auszusetzen hat.

Für den Bürger mit Potenzial für beide Extreme – oder auch nur für den sogenannten mündigen Bürger – wird gerade ein System geschaffen, das ihm die Möglichkeit gibt, sich konstruktiv einzubringen oder auch geregelt Dampf abzulassen. Geregelt deshalb, weil das neue Internet-Portal, von dem hier die Rede sein soll, "betreut" wird.

Zensiert wäre zu tendenziell formuliert, aber es gibt dem Nutzer des Portals keine Möglichkeit, sich über andere diffamierend in der Öffentlichkeit auszulassen oder unsachliche Beiträge einzubringen. So wie das einst im Rathaus-Chat der Fall war, den die Neu-Anspacher mit solchen Einträgen zu Fall brachten.

So viel vorweg und jetzt zur Sache: Der Bad Homburger Humboldt-Schüler Philipp Epstein hatte die Idee zu dem Portal mit der Headline: "Bürger sein, mehr als nur Einwohner". Als Schulsprecher hatte er die Erfahrung gemacht, dass es an einer Schule viele Probleme gibt, für die ein Forum ein Angebot sei, um diese kundzutun und damit zur Abhilfe beizutragen. Das müsste doch auch bei Städten und Gemeinden der Fall sein, so schloss er und lag damit richtig, wie die Kontaktaufnahme zuerst mit der Stadt Bad Homburg und jetzt mit der Stadt Neu-Anspach bestätigte. Beide Städte sind an dem Internet-Portal interessiert und kooperieren mit dem Schüler, der nach dem Abitur ein Duales Studium der Wirtschaftsinformatik beginnt.


Alles nimmt seinen Lauf

In der Praxis sieht das Portal so aus: Der Bürger, der ein Anliegen hat oder auf ein Problem gestoßen ist, kann sich auf der Seite anmelden. Dazu muss eine reale E-Mail-Adresse angegeben werden, die überprüft wird. Dann kann er ein Problem schildern, und alles Weitere nimmt seinen Lauf. Damit das Portal weiß, wie es weiter zu verfahren hat, muss er sein Anliegen nur kategorisieren, dazu wird ihm Hilfe angeboten. Dann reicht das Programm, sofern der Eintrag die Kontrolle passiert hat, das Anliegen an das zuständige Amt, Abteilung oder einen Mitarbeiter weiter. Der nimmt sich des Problems an, sowie es seine Arbeit zulässt und kann auf unterschiedliche Weise reagieren. Das reicht von der Bestätigung des Eingangs, bis zu einer differenzierten Antwort. Der Eintrag wird im Portal entsprechend gekennzeichnet, vom Symbol für Anliegen angenommen, bis zu "erledigt". Der Nutzer kann sich dann zufrieden geben, noch einmal Stellung nehmen oder nachhaken.

"Es entsteht ein Dialog, das ist wichtig" erklärte der Programmentwickler, der zusammen mit einem Programmierer eine sehr übersichtliche, transparente und informative Nutzeroberfläche geschaffen hat. Die Probleme, sofern sie lokalisierbar sind, werden sogar auf einer Stadtkarte markiert, selbstverständlich mit der entsprechenden Statusanzeige. Epstein ist überzeugt, dass seine Entwicklung die Arbeit der Verwaltung effizienter macht, und das sieht auch Bürgermeister Klaus Hoffmann (CDU) so. Den hat der Schüler ebenso überzeugt wie den Bad Homburger Verwaltungschef, Oberbürgermeister Michael Korwisi (Grüne). Zahlreiche Rathäuser im Hochtaunuskreis haben schon Interesse signalisiert.

Für die Kommunen entstehen keine Kosten. Sie stellen nur einen Strukturplan der Verwaltungsorganisaton zur Verfügung. "Das Projekt ist zunächst eigenfinanziert, wir suchen aber für den weiteren Ausbau Investoren und Sponsoren und bieten Firmen die Möglichkeit, für sich zu werben", erklärte Epstein, wobei die Werbung inhaltlich mit der Problem-Kategorie abgestimmt werde.


Autor: Frank Saltenberger

Quelle: Taunus Zeitung

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